Steinadler / 21
Holzart
Nussbaum
Arbeitstechnik
Geschnitzt
Artist
Alfred Stähli (1882 – 1972)
Herstellungsjahr
um 1940
Beschrieb
Steinböcke, Gämsen, Adler und Hirsche gehören zu den beliebten Motiven der Brienzer Tierfiguren. Ende des 19. Jahrhunderts ergänzen Elefanten, Affen und Löwen das Sortiment.
Gemäss Berichten aus den 1860er Jahren schnitzten die Brienzer Holzbildhauer schon früh vielerlei Wild- und Haustiere. Jagdszenen seien sehr verbreitet, berichtet zum Beispiel Kantonsbaumeister Friedrick Salvisberg. Der Reiseschriftsteller Hermann Alexander von Berlepsch beobachtet, dass die Tiere meist stehend und einzeln dargestellt werden, da den ungeschulten Schnitzern die Fertigkeiten für das Darstellen bewegter Gruppen fehle. Auch würden sie die Tiere den Wünschen und dem Geschmack der fremden Gäste anpassen:
„Die Schnitzer nahmen im Laufe der Zeiten wahr, dass Damen und elegante Touristen, welche für ihren Schreibsekretär, für ihren Kuriositäten-Tisch daheim eine Gemsengruppe kaufen wollten, immer denen den Vorzug gaben, welche am kokettesten mit spindeldürren Steckelbeinchen, am ballettänzerhaftesten, am blasirtesten geschnitzt waren. Die ‚Holzschnäffler’, welche recht wohl wussten, dass die Gemse derben Knochenbau, eisenfeste Schenkel und gar nicht so feenhaft zarte Spinnenbeine hat, die dem Tiere bei seinen lebensgefährlichen Sprüngen schlechte Dienste leisten möchten, zogen es vor, der Torheit der Fremden, der sublimen Geschmacksverirrung zu huldigen und eine ganz neue Spezies von Grattieren zu schaffen.“
Auch im 20. Jahrhundert wissen die Holzbildhauer ihre Produkte dem Kundengeschmack anzupassen und nehmen exotische Tiere in ihr Sortiment auf: Elefanten und Affen, Löwen und Tiger. Wenn Krisen das Geschäft erschüttern wie etwa währen der beiden Weltkriege, sind jene Schnitzer im Vorteil, die zeichnen und entwerfen können und sich nicht auf ein einzelnes Tier spezialisiert haben.



