Schweizer Holzbildhauerei Museum Brienz Holz

Brienzer Schnitzer an grossen Ausstellungen in der ganzen Welt

Eine eindrückliche Reihe von Brienzer Schnitzlern präsentierte über zwei Jahrhunderte ihre Werke auch an bedeutenden Ausstellungen in Europa und Übersee. Ein Einblick in eine vergangene Zeit:

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1851 / Weltausstellung London, GB

Die «Great Exhibition» in London war die erste Weltausstellung, die vom 1. Mai – 11. Oktober im Hyde Park in London stattfand und über 17 ‘000 Aussteller präsentierte. In diesem illustren Umfeld war die Kritik über die ausgestellten Brienzer Werke enthusiastisch. Die aussergewöhnlichen Talente der Schnitzer wurden hochgelobt.

Ausstellende Holzbildhauer

  • Andreas Baumann; Schachteln mit aus einem Stück Holz geschnitzte Alpenrose oder Rosengirlanden
  • Gebrüder Kehrli, Schwanden und J. Wirtz erhielten Medaillen und Preisgeld für ihre Artikel Ausstellungsobjekte zum täglichen Gebrauch, wie Nussknacker, Salatbestecke etc.
  • Johann Flück erhielt eine Ehrenmeldung für einen geschnitzten Tisch.
  • Margaretha Flück, Tochter von Johann. Sie war die erste Frau an einer solchen Ausstellung mit Fruchtschalen, Zuckerdosen und Bechern.
  • T. Jaun, Meiringen, eine Gruppe von neun Gämsen mit einem Jäger in Ahornholz
  • Johann Mezener, Meiringen, eine Gruppe mit zehn Gämsen mit einem Jäger auf einem Hügel
  • Kaspar Michel, Brienz, ein Berner Oberländer Holzchalet.
  • J. Schild, Brienz, Geschnitzter Tische und ein Chalet

1853/54 / Weltausstellung in New York, USA

Die «Exhibition of the Industry of all Nations». Sie war die erste ihrer Art auf dem nordamerikanischen Kontinent und orientierte sich am Vorbild der ersten Weltausstellung in London. Auch sie verfügte über einen Crystal Palace als Ausstellungsgebäude und zog rund 1.1. Mio Besuchende an. Der amerikanische Markt war zu dieser Zeit dominiert vom englischen Markt. Für die Brienzer war es die erste Möglichkeit, ihre Werke in Nordamerika zu zeigen.

Ausstellende Holzbildhauer

  • Andreas Baumann zeigte eine Blumenvase.
  • Johann Wirtz zeigte einen geschnitzten Tisch, welcher eine schlechte Kritik erhielt, weil zum Gebrauch zu unpraktisch war.

1862 / Weltausstellung London, GB

Die Weltausstellung London 1862 war eine Weltausstellung, die vom 1. Mai 1862 bis zum 1. November 1862 am Rande der Anlagen der Royal Horticultural Society in South Kensington, London, England, durchgeführt wurde, wo sich heute Museumsbauten wie das Natural History Museum und das Science Museum befinden. Die Weltausstellung verzeichnete über 6 Millionen Besucher aus aller Welt.

Die Gebrüder Wirth waren die einzigen Aussteller aus der Region. „The Art Journal“ lobte die grosse Vielfalt der Werke.

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1867 / Internationale Ausstellung von Paris, F

Die «Exposition universelle d’Art et d’industrie» fand vom 1. April – 3. November 1867 auf dem Marsfeld (Champ de Mars) statt. 32 Länder mit insgesamt 52.200 Ausstellern nahmen teil. Die Ausstellungsfläche betrug 66,8 Hektar. Als Neuheiten wurden ein hydraulischer Fahrstuhl und Stahlbeton vorgestellt.
Die Brienzer Holzschnitzerei war zu dieser Zeit durch die früheren Ausstellungen schon vielen bekannt, von Geschäften in London und Paris oder von Besuchen in der Schweiz. Der Faktor der Neuheit war nicht mehr da und die monotone Mittelmässigkeit und Schludrigkeit der Arbeiten wurden sehr skeptisch vermerkt (Friedrich Salvisberg).

Nur die Firma Wirth erhielt eine Goldmedaille in der Sparte Kunst (Malerei, Zeichnung und Skulpturen).

1873 / Weltausstellung Wien, A

Die Weltausstellung 1873 fand vom 1. Mai bis zum 2. November 1873 in Wien statt. Sie war die fünfte Weltausstellung und die erste im deutschsprachigen Raum. Sie sollte das wieder gewachsene Selbstbewusstsein Österreichs nach den verlorenen Kriegen gegen Piemont/Frankreich und Preußen präsentieren. 53’000 Ausstellende waren vor Ort.

Die Brienzer waren das erste Mal vertreten, und zwar mit 34 Schnitzlern. Die Gebrüder Wirth waren nicht dabei. F. Salvisberg bemerkte, dass seit Paris grosse Fortschritte gemacht wurden mit neuen Ideen und Objekten. Mindestens die Hälfte der Schnitzler gingen mit Medaillen heim. Die Schweizer Werke waren in einem Berner Oberländer Chalet ausgestellt, was die Schnitzerei perfekt ergänzte.

Ausstellende Holzbildhauer

  • Abegglen-Perrin, Iseltwald
  • Peter Althaus, Meiringen, Lehrer an der Zeichnungsschule
  • Jakob Balmer, Meiringen
  • Baumann und Simon, Brienz
  • Fischer und Grossmann, Brienz
  • Johann Flück, Brienz. Experte F. Salvisberg betonte das hohe Niveau des Handwerks
  • Johann Grossmann, Ringgenberg mit Stühlen und Tischen mit Intarsien
  • Johann Eggler und Jakob Thomann, Angestellte von Jakob Jäger und Comp., Brienz
  • Peter Michel, Brienz
  • Peter Ruef Oberried, mit blumenverzierten Bilderrahmen
  • Friedrich Sterchi, Oberried
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1876 / Centennial Exhibition, Philadelphia PA, USA

Die «Centennial International Exhibition» von 1876, die erste offizielle Weltausstellung in den USA, wurde in Philadelphia, Pennsylvania, organisiert, um das 100. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zu feiern. Der offizielle Titel der Veranstaltung war «International Exhibition of Arts, Manufactures and Products of the Soil and Mine».  Als Neuheiten wurden u.a. der Thonet-Stuhl, die Nähmaschine, die Schreibmaschine und das Telefon vorgestellt. Rund 10 Millionen Besucher sahen sich die Ausstellung an.

Die 10 Brienzer Schnitzler und ihre Werke wurden im Hauptgebäude gezeigt, in der Abteilung «Bildung und Wissenschaft» und nicht  in der Abteilung «Kunst oder Handwerk», wo die andern Holzbildhauer sich befanden. Jedoch waren die Gewinner aus Brienz: Johann Huggler gewann die Gold-, Johann Brandenberger erhielt die Silber- und Johann Kienholz die Bronzemedaille. Der Gesamtverkaufserlös betrug Fr. 16’150.00. Ein Artikel aus „The Illustrated History of the Centennial Exhibition“ hielt fest: „Die Holzbildhauer, welche so zahlreich sind in der Schweiz und so berühmt für ihr Geschick, zeigten eine grosse und attraktive Ausstellung. Die ausgestellten Werke zeugen von einem hohen Grad an Geduld und Können, sind sehr verschieden und ausgezeichnet. Miniatur-Chalets, Kirchen, Vögel und verschiedene Tiere, Kuckucksuhren, Tische, etc.“

Ausstellende Holzbildhauer

  • Abplanalp J., Brienz
  • Andreas Baumann, Vater und Sohn Peter
  • Jakob Eggler, Oberdorf, Brienz
  • Johann Eggler, Brienz
  • Johann Flück, Fluhberg, Brienz
  • Germann und Eggler, Brienz
  • Johann Grossmann, Ringgenberg
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1878 / Weltausstellung Paris, F

Die Weltausstellung 1878 in Paris fand zwischen dem 1. Mai und dem 31. Oktober 1878 auf dem Champ de Mars und dem Chaillot-Hügel statt mit über 52‘800 Ausstellenden.

An dieser Ausstellung tauchte zum ersten Mal Ernesto Roggero aus Genf, auf und überragte mit seinem Können alle anderen Schweizer Holzbildhauer. Roggero war der Einzige, welcher in der Berichterstattung positiv erwähnt wurde. Die Brienzer Werke wurden als altbekannt und billig abgetan.

1883 / Schweizer Landesausstellung Zürich, CH

Die erste schweizerische Landesausstellung von 1883 wurde am 1. Mai in Zürich eröffnet und dauerte bis zum 3. Oktober. Anlass der Ausstellung war die Eröffnung der Gotthardbahn, die 1882 stattfand. Ursprünglich sollte die Ausstellung im selben Jahr stattfinden, wurde aber um ein Jahr verschoben. Ziel der Ausstellung war, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes zu demonstrieren, die Exportindustrie zu präsentieren und den Fortschrittsglauben zur Festigung des nationalen Zusammenhalts zu verbreiten. Weiter wurde die allgemeine Schulpflicht beworben und die erste Landeskarte präsentiert.

Von den ausstellenden 39 Schnitzlern waren deren 17 aus dem Berner Oberland.

Ausstellende Holzbildhauer

  • Johann Abplanalp, Brienz, Schnitzereien und Intarsien
  • Abplanalp und Sohn, Brienz, mit Pflanzen dekorierte Rahmen
  • Peter Althaus, Meiringen,
  • Gebrüder Amacher, Brienzwiler
  • Gottlieb Amacher, Brienzwiler
  • Andreas Baumann, Brienz, Wanddekorationen und Schachteln
  • Carl von Bergen & Co, Interlaken
  • P. Buri-Michel, Ringgenberg, ein Hirsch aus Nussbaum
  • Christian Fischer, Beckenried, (Grossohn von Gründer) Tische, Stühle, Rahmen und Ornamente
  • Johann Flühmann-Abplanalp, Brienzwiler, Fruchtschalen
  • J. Grossmann-Ritschard, Ringgenberg, ein geschnitztes Buffet, Tisch mit Intarsien und Schnitzereien und Stühle dazu.
  • Jakob Hunziker, Brienz, Rahmen und Fotoalbum
  • Johann Kehrli, Nessental, kleine Rauchertische
  • Klein & Söhne, Meiringen, allerlei geschnitzte Kästchen, Blumenvasen, Fotorahmen, kleine Chalets und Rauchertische
  • Anton Schmidiger, Brienz, Schmuckkästchen
  • Fridolin Schmidiger-Frutiger, Brienz, verschiedene Kästchen
  • Peter Stähli, Brienz
  • Jakob Thomann, Brienz, Rahmen
  • Charles Zumbrunn, Ringgenberg
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1885 / Weltausstellung Antwerpen, B

Die Weltausstellung von 1885 war eher eine kleinere Ausstellung, auch bekannt als „Wereldtentoonstelling van Antwerpen“, Belgien, zwischen dem 2. Mai und 2. November 1885. Sie hatte eine Fläche von 220.000 m2 und begrüßte rund 3,5 Mio Besuchende. Offiziell haben 25 Nationen teilgenommen.

Bemerkenswert war, dass die gerade gegründete Schnitzlerschule Brienz eine Medaille für „art furniture“ erhielt.

1889 / Weltausstellung Paris, F

Die Pariser Weltausstellung 1889 war die zehnte Weltausstellung. Sie fand vom 6. Mai bis zum 31. Oktober 1889 aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Französischen Revolution statt und war aus diesem Grund im mehrheitlich monarchisch organisierten Europa politisch umstritten.

Nur sechs Aussteller nahmen teil, die Enttäuschung der letzten Paris-Ausstellung mag der Grund dafür gewesen sein. Amerikanische Kommentatoren erwähnten einige Reliefs als „sehr hübsch gemacht“, diese Reliefs wurden in der Schnitzlerschule hergestellt, ein Zeichen dafür, dass die Schule in der Holzbildhauerindustrie bereits hohes Ansehen genoss.

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1893 / 19. Weltausstellung Chicago, USA

Am 1. Mai 1893 wurde die Weltausstellung von Chicago eröffnet. Es sollte die größte werden, die es bis zu diesem Datum gegeben hatte. 70‘000 Aussteller aus 46 Nationen waren gekommen, um ihre technischen Errungenschaften vorzustellen, und die markierten den Beginn einer neuen Ära. „Das gesamte Ausstellungsgelände war elektrifiziert, elektrisch beleuchtet.“ Mit dieser und anderen Errungenschaften wollten die USA 400 Jahre nach der Ankunft von Kolumbus beweisen, dass sie sich vollends von der Alten Welt emanzipiert hatten. Die Ausstellung konnte 27 Mio Besucher anziehen. In der Kunst und Kunsthandwerk war dies der Beginn des Jugendstils.

Der Schweizer-Pavillon mit einem riesigen Panorama der Berner Oberländer Berge beherbergte 40 Schnitzler. Die Berner Oberländer waren für sich und die Brienzer Schnitzerei war gleichbedeutend mit „Swiss Woodcarving“ (Schweizer Holzschnitzerei).

Für den Schaukasten der Schnitzlerschule schnitzte Jakob Abplanalp (Lehrer) ein aussergewöhnliches Blumenbouquet.

Ein reich geschnitztes Buffet der Gebrüder Wirth war mit Fr. 4’000 (heute ca. US $ 78’000) angeschrieben.

1896 / Schweizerische Landesaustellung Genf, CH

Heile Welt und Wirklichkeit. An der zweiten Landesausstellung 1896 in Genf wurden 2,3 Millionen Eintritte verkauft. Dennoch endete sie mit einem hohen Defizit. Schuld daran war nicht nur der weite Weg für viele Besucher, sondern das schlechte Wetter, das im Sommer 1896 herrschte.

Erstmals wurde eine Landesaustellung durch einen Vergnügungspark ergänzt, der zusätzlich Besucher anlocken sollte.

Die Gebrüder Wirth waren nicht dabei. Als neuer „Industrieführer“ zeichnete sich die Binder & Cie. aus, mit der erstmals ausgestellten Gruppe „Fünf Bernhardiner“ geschnitzt von Melchior Stähli, Hofstetten.

Ausstellende Holzbildhauer

  • Binder & Cie/Melchior Stähli, Fünf Bernhardiner
  • Johann Huggler, übergrosse Adler, Gämsen und Steinböcke
  • Jakob Abplanalp, eine wunderschöne Rose
  • Johann Abplanalp
  • Die Schnitzlerschule, verschiedene Kassetten und Möbel
  • Gebrüder Zumbrunn, Ringgenberg, Möbel und Reliefs
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1900 / Weltausstellung Paris, F

Die „Belle Epoque“ erreichte hier ihren Höhepunkt, die „Art Nouveau“ war in voller Blüte. Die Weltausstellung Paris 1900 war die fünfte Pariser Weltausstellung. Sie fand vom 15. April 1900 bis zum 12. November 1900 statt und zählte über 48 Millionen Besucher. Sie gehört damit zu den erfolgreichsten Ausstellungen ihrer Art. 76‘112 Aussteller präsentierten sich.

Die Eidgenossenschaft liess sich nicht lumpen und baute ein richtiges „Schweizer Dorf“ und die Brienzer Schnitzerei war dort einer der Höhepunkte. Das „Brienzer Zimmer“ vom Bundeshaus wurde gezeigt, welches in der Schnitzlerschule gemacht wurde unter der Leitung von Hans Kienholz und Albert Huggler. Es erhielt eine Goldmedaille.

Weitere Aussteller

  • Jakob Abplanalp, Brienz
  • G. Althaus, Meiringen
  • Ed. Binder & Cie. Brienz
  • Jan Brandenberger, Brienz
  • Jacob Fuchs, Brienz
  • J. Fischer, Brienz
  • Gebrüder Huggler, Brienz
  • J. Hunziker, Brienz
  • Gebrüder Michel, Bönigen
  • Peter Michel, Bönigen
  • Ernesto Roggero, Brienz
  • Ulrich Ruef-Huggler, Brienz
  • Antoine Schmidiger, Brienz
  • Kaspar Stähli, Brienz
  • G. Wirz, Brienz

1904 / Weltausstellung St. Louis, Missouri, USA

St. Louis hatte eine grosse deutschsprachige Kolonie, was für die Schweizer Aussteller eine spezielle Chance war. Die „Louisiana Purchase Exposition“ (informell auch als „The Saint Louis World’s Fair“ bekannt) war eine Weltausstellung, die vom 30. April bis 1. Dezember 1904 in St. Louis im amerikanischen Bundesstaat Missouri stattfand. Die Ausstellungsfläche im Forest Park betrug 515 Hektar. Die Ausstellung wurde – mit einem Jahr Verspätung – zur Feier des 100. Jubiläums des Louisiana Purchase von 1803, also des Verkaufs der französischen Kolonie Louisiana an die Vereinigten Staaten, organisiert. Im Rahmen der Weltausstellung wurden auch die Olympischen Sommerspiele 1904 ausgetragen, die jedoch kaum Beachtung fanden. Insgesamt besuchten 19,7 Millionen Menschen die Ausstellung.

Das Schweizer Chalet wurde für die Dauer der Ausstellung ein unbedingtes „Must see“-Objekt. Dazu wurde sogar ein Schweizer Tag mit vielen Amerika-Schweizern organisiert. Junge Frauen in Schweizer Trachten erteilten Auskunft über die Schnitzereien und andere Exponate.

Das Schweizer Chalet war ein freistehendes Gebäude, welches die Aussteller selbst bezahlten, weil die Schweizerische Eidgenossenschaft keinen Rappen daran gab.

Der Name „Ed. Binder& Cie.“ prangte an der First des Chalets, direkt unter dem Schild „Switzerland“, als ob die Schnitzerei-Industrie synonym wäre mit der Nation.

Unter den Ausstellern figurierten die bekanntesten Namen.