Spielwaren (40 Objekte) / 10
Holzart
Arbeitstechnik
Artist
Verschiedene Hersteller
Herstellungsjahr
1913 – 1956
Beschrieb
Das Spiel gehört zum Menschen: als eine Art „institutionalisierte Verrücktheit“, als Mittel der Kreation und Imagination. Schon immer stellte der Mensch Dinge zum Spielen her: Spielzeug. Kinder eignen sich damit die Welt an; sie üben, imitieren, begreifen mit der Hilfe von Spielzeug.
Dass Spielzeug aus Holz hergestellt wird, ist wenig überraschend. Als Werkstoff ist Holz vielerorts vorhanden und einfach zu bearbeiten. Historisch steht Holzspielzeug im deutschsprachigen Raum, wo sich seit dem 15. Jahrhundert ein eigentliches Spiel-zeuggewerbe ausgebildet hat, an erster Stelle. Dabei ist zwischen einer ländlichen, wenig professionalisierten Hausindustrie und dem städtischen, häufig in Zünften organisierten Handwerk zu unterscheiden.
In der Schweiz wird die Herstellung von (Holz-)Spielzeug im frühen 20. Jahrhundert zum Thema, einerseits weil der Werkbund sich für qualitativ hochwertig gestaltetes Spielzeug einsetzt, andererseits weil die Spielzeugproduktion in wirtschaftlichen Krisenzeiten eine Alternative bietet. Handwerklich involviert sind Schnitzer, Drechsler und Kleinschreiner.
Grundsätzlich lässt sich zwischen Spielzeug zur Unterhaltung und Spielzeug zur Belehrung unterscheiden. Weitere Unterteilungen betreffen z.B. die Zielgruppen (Baby, Kleinkind, Schulkind …), den Ort des Spiels (drinnen, draussen), die Art des Spielzeugs (Modell / Miniatur, Regelspiel, Hilfsmittel).
Holz zum Spielen
Unsere Ausstellung geht anders an das Thema heran als es Spielzeug- und Kindermuseen in der Regel tun. Unser Ausgangspunkt ist die Tradition des Holzhandwerks in der Region Brienz. Die Ausstellung bildet denn auch keine der vorher genannten Ordnungen ab. Sie sortiert die gezeigten Spielsachen nicht nach ihrer Art oder nach ihrem Verwendungszweck, nicht nach Kindesalter oder nach Spielmöglichkeit. Sie fragt vielmehr nach der Herstellung: Wer macht Spielzeug aus Holz? Wann, unter welchen Bedingungen, mit welcher Absicht und welchem Ergebnis wird im Berner Oberland Holzspielzeug hergestellt?
Die Antwort auf die erste Frage ist kurz: Immer schon und überall machen die Menschen Spiel-sachen aus Holz. Das ist nicht weiter überraschend, denn Holz ist vielerorts vorhanden und es lässt sich vergleichsweise einfach bearbeiten. Letzteres zumindest steht in vielen kulturgeschichtlichen Schriften zum Thema. Im Gegensatz etwa zur Verarbeitung von Metall sind keine Maschinen und keine grössere Investitionen notwendig. Mit dem Werkzeug, das in jedem ländlichen Haushalt sowieso vorhanden ist, können der Vater und der Grossvater aus Holzscheiten Spielzeug machen.
Dass es ganz so einfach dann doch nicht ist, zeigte ein Workshop zum Thema Schnitzen für angehende Industrial Designer, sprich Produktgestalter. Nur mit den vorhandenen Taschenmessern sollten die Studierenden kleine Figuren fertigen. Dazu in der Lage waren allerdings nur diejenigen, die eine Steiner-Schule besucht und dort den Umgang mit Holz und Meissel gelernt haben. Allen anderen wurde klar, warum nur holzbildhauen kann, wer in Brienz eine langjährige Ausbildung besucht hat. Eine Auswahl der entstandenen Figuren ist übrigens in der Vitrine zum Thema „selbstgemacht“ zu sehen.



