Jagdtrophäen / 9
Holzart
Arbeitstechnik
Geschnitzt
Artist
Manufaktur Binder (Jobin)
Herstellungsjahr
1910
Beschrieb
Gemäss Berichten aus den 1860er Jahren schnitzten die Brienzer Holzbildhauer schon früh vielerlei Wild- und Haustiere. Jagdszenen seien sehr verbreitet, berichtet zum Beispiel Kantonsbaumeister Friedrick Salvisberg. Der Reiseschriftsteller Hermann Alexander von Berlepsch beobachtet, dass die Tiere meist stehend und einzeln dargestellt werden, da den ungeschulten Schnitzern die Fertigkeiten für das Darstellen bewegter Gruppen fehle. Auch würden sie die Tiere den Wünschen und dem Geschmack der fremden Gäste anpassen:
„Die Schnitzer nahmen im Laufe der Zeiten wahr, dass Damen und elegante Touristen, welche für ihren Schreibsekretär, für ihren Kuriositäten-Tisch daheim eine Gemsengruppe kaufen wollten, immer denen den Vorzug gaben, welche am kokettesten mit spindeldürren Steckelbeinchen, am ballettänzerhaftesten, am blasirtesten geschnitzt waren. Die ‚Holzschnäffler’, welche recht wohl wussten, dass die Gemse derben Knochenbau, eisenfeste Schenkel und gar nicht so feenhaft zarte Spinnenbeine hat, die dem Tiere bei seinen lebensgefährlichen Sprüngen schlechte Dienste leisten möchten, zogen es vor, der Torheit der Fremden, der sublimen Geschmacksverirrung zu huldigen und eine ganz neue Spezies von Grattieren zu schaffen.“



