Schminktisch / 1
Holzart
Nussbaum
Arbeitstechnik
Artist
Unbekannt
Herstellungsjahr
1895
Beschrieb
Die Möbelschnitzerei erlebt ihre Blüte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aus der ganzen Welt treffen in Brienz die Bestellungen ein.
Um 1850 gründen die Gebrüder Wirth, gebürtige Elsässer, in Brienz eine Manufaktur, in der vor allem geschnitzte Möbel für den Export entstehen. Die Firma betreibt Filialen in Paris und anderen französischen Städten und führt über 900 unterschiedliche Artikel im Sortiment, darunter zum Beispiel „Uhrengestelle und Spiegelrahmen, Weihwasserkessel und Reliquienschreine, Kartenhalter und Lichtschirmträger, Zündholz Kästli und Damen-Necessaires, Schminktische, Konsolen mit heidnischen Karyatiden und Schreibzeuge mit alpinen Tiergruppen, kurzum Artikel des Luxus, wie sie das gesteigerte Bedürfnis der noblen Welt, die größte Eleganz nur verlangen mag“, wie Hermann Alexander von Berlepsch in einem Bericht von 1860 schreibt.
Die Firma Wirth gehört zu den ersten, die ihre Mitarbeiter systematisch ausbildet und mit Musterzeichnungen und Modellen arbeitet. Die Produktion in den Schnitzsälen erfolgt stark arbeitsteilig, so dass große Serien hergestellt werden können. Nationale und internationale Ausstellungen tragen zur Bekanntheit der Oberländer Holzbildhauerei bei und kurbeln das Geschäft weiter an.
Nach einer Krise in den 1870er Jahren erfolgt 1884 die Gründung der heutigen Schule für Holzbildhauerei. Ornamentik und Möbelschnitzlerei gelten als eigener Bereich, der gesondert vermittelt wird. Die Brienzer Fachleute erhalten in jener Zeit auch Aufträge der öffentlichen Hand, etwa wenn es darum geht, im neuen Bundeshaus die Sitzungssäle auszustatten.



